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Solaris expandiert: Was sich für den Gebrauchtbus-Markt in Europa ändert

Solaris eröffnet eine neue Halle in Polen und steigert die Kapazität um 500 Busse pro Jahr. Was das für den Gebrauchtbus-Markt in Europa und Händler konkret bedeutet.

Solaris baut die Produktion aus: die Fakten

Am 23. Juni 2026 hat Solaris Bus & Coach eine neue Endmontagehalle in Środa Wielkopolska eröffnet, in der Region Großpolen, rund 35 Kilometer südöstlich von Poznań. Es handelt sich dabei nicht um eine schrittweise Erweiterung bestehender Kapazitäten: Laut Sustainable Bus schafft die neue Anlage eine zusätzliche Produktionskapazität von rund 500 Fahrzeugen pro Jahr.

Bislang war die Endmontage der Solaris-Stadtbusse ausschließlich im Werk Bolechowo nördlich von Poznań konzentriert, dem historischen Produktionskern des polnischen Herstellers. In Środa Wielkopolska existierte bereits seit 1998 eine Stahlrahmen-Schweißanlage, die nun Teil eines größeren Fertigungsverbunds wird. Mit der neuen Halle läuft die Endmontage parallel an beiden Standorten.

Solaris hat das erklärte Ziel, eine Jahresproduktion von 2.000 Fahrzeugen zu erreichen. Im Jahr 2025 lieferte das Unternehmen 1.631 Busse aus, davon 86 Prozent mit niedrigen oder null Emissionen klassifiziert. Mit den 500 zusätzlichen Fahrzeugen, die die neue Kapazität ermöglicht, ist die 2.000er-Marke technisch erreichbar, sobald die Anlage Volllast fährt.

Dabei bleibt es nicht. Solaris hat in derselben Region bereits 47 Hektar Land für ein zweites Werk erworben, das dem Überlandbussegment gewidmet sein soll und 2029 in Betrieb gehen soll.

Solaris assembly hall interior at Bolechowo, the production site that is being expanded

Vom Dieselbus zum Null-Emissions-Fahrzeug: ein Strukturwandel

Für alle, die im Gebrauchtbus-Geschäft tätig sind, ist nicht die schiere Menge entscheidend, sondern die Zusammensetzung des Produktionsmix. Wenn 86 Prozent der Auslieferungen 2025 als Niedrig- oder Null-Emissions-Fahrzeuge klassifiziert sind, verändert Solaris die Struktur seines europäischen Fahrzeugbestands grundlegend.

Im ersten Quartal 2026 belegte Solaris laut Sustainable Bus den zweiten Platz unter den führenden Lieferanten von Null-Emissions-Bussen in der Europäischen Union. Die praktische Konsequenz: Die Zahl konventioneller Diesel- oder Euro-6-Einheiten, die in den kommenden Jahren aus den Flotten ausscheiden, wird proportional größer sein als das Volumen, das neu hinzukommt.

Für Händler und Trader im Gebrauchtbus-Bereich ist die Logik eindeutig. Jeder neue Elektro- oder Hybridbus, der an einen öffentlichen oder privaten Betreiber ausgeliefert wird, erzeugt mittelfristig eine Abgabe auf dem Gebrauchtmarkt. Je schneller Solaris den Anteil emissionsfreier Fahrzeuge in den europäischen Flotten erhöht, desto schneller dreht sich dieser Erneuerungszyklus, vor allem im städtischen und stadtnahen Segment.

Die neue Produktionskapazität ist nicht gleichmäßig verteilt. Der Standort Środa Wielkopolska ist auf Stadtbusse ausgerichtet. Das künftige Werk von 2029 wird sich auf den Überland- und Reisebusbereich konzentrieren, ein Segment, für das Solaris bereits eine neue Plattform für Ende 2026 oder Anfang 2027 angekündigt hat. Diese Segmentausweitung wird für den Gebrauchtmarkt andere Effekte haben als der Stadtbusbereich, sowohl beim Restwert als auch bei der geografischen Nachfragestruktur.

Was mehr Neufahrzeuge für das Gebrauchtbus-Angebot in Europa bedeuten

Eine Ausweitung der Neuproduktion ist für den Gebrauchtmarkt nicht neutral. Mehr heute ausgelieferte Neufahrzeuge bedeuten mehr Einheiten, die in fünf, sieben oder zehn Jahren auf den Gebrauchtmarkt kommen. Doch die Wirkung ist nicht nur eine Zukunftsperspektive: Es gibt unmittelbarere Mechanismen, die sich bereits heute bemerkbar machen.

Erstens: Betreiber, die ihre Flotte mit neuen Solaris-Elektrobussen erneuern, stoßen Euro-6-Dieselfahrzeuge ab, die auf den Markt gelangen. Dieser Fluss ist längst aktiv und wird mit steigenden Auslieferungszahlen weiter zunehmen. Die Märkte Mittel- und Osteuropas, Polen eingeschlossen, sind traditionell die wichtigsten Abnehmer dieser Fahrzeuge im zweiten Leben.

Zweitens: Solaris erschließt neue Märkte, darunter Nordamerika, wo das Unternehmen erste Lieferungen bereits gestartet hat. Das verteilt die Nachfrage nach Neufahrzeugen geografisch neu und kann den Wettbewerbsdruck im europäischen Gebrauchtmarkt in bestimmten Preissegmenten mindern, was bestimmte Fahrzeugkategorien für mittelgroße Betreiber zugänglicher macht.

Drittens: Die Schaffung von knapp 300 direkten Arbeitsplätzen am Standort Środa Wielkopolska sowie mehrerer Hundert indirekter Stellen in der regionalen Zulieferkette stärkt das polnische Fertigungsökosystem im Bussektor. Für Händler, die in Polen operieren oder von dort importieren, festigt das die Position des Landes als Referenzzentrum für Wartung und technische Prüfung von Fahrzeugen.

Solaris charging park at Bolechowo — electric bus infrastructure on site

Was sich für Händler und Trader konkret verändert

Wer im europäischen Gebrauchtbus-Handel tätig ist, sollte diese Entwicklung strategisch lesen. Die Trends, die aus der Produktionsexpansion von Solaris hervorgehen, gehen über eine Pressemitteilung hinaus: Sie verändern die Erwartungen an Angebot, Restwert und Fahrzeugtypen, die in den nächsten Jahren im Sekundärmarkt verfügbar sein werden.

Einige praktische Einschätzungen für alle, die Bestände verwalten oder im Sourcing tätig sind.

Ältere Solaris-Modelle, insbesondere frühere Generationen des Urbino in Diesel- und Hybridausführung, werden schneller aus den Flotten der Betreiber ausscheiden, die EU-Fördermittel für die grüne Transformation in Anspruch nehmen. Der Zyklus verkürzt sich, und wer diese Aussonderungen antizipiert, verschafft sich einen Positionierungsvorteil.

Das Solaris-Segment im Überlandbereich ist im Gebrauchtmarkt noch vergleichsweise jung. Mit dem Launch der neuen Plattform bis Anfang 2027 und dem geplanten dedizierten Werk wird aber auch dieses Segment an Volumen im Sekundärmarkt gewinnen. Wer heute Kompetenz bei diesen Fahrzeugen aufbaut, positioniert sich in einem Segment mit wachsender Nachfrage und noch überschaubarem Angebot.

Die geografische Konzentration der Solaris-Produktion in Polen und ihr weiteres Wachstum stärken die grenzüberschreitende Logistik für Händler, die aus Osteuropa in westliche Märkte liefern. Die Nähe zu den Produktionsstandorten erleichtert auch den Zugang zu technischer Dokumentation und zum Servicenetz, ein nicht zu unterschätzender Faktor bei internationalen Gebrauchtfahrzeug-Transaktionen.

Schließlich signalisiert die Dimension dieser Expansion, mit einem zweiten Standort von 47 Hektar bereits in Planung, dass Solaris nicht einfach vorhandene Kapazitäten optimiert, sondern eine langfristige Fertigungsplattform aufbaut. Für den Gebrauchtmarkt bedeutet das einen strukturierten, kontinuierlichen Fahrzeugfluss über die nächsten zehn Jahre.

Ausblick: Volumen, Qualität und Timing

Der europäische Gebrauchtbus-Markt reagiert nicht auf einzelne Ereignisse, sondern auf strukturelle Trends, die sich über Zeit festigen. Die Eröffnung der neuen Solaris-Halle in Środa Wielkopolska ist ein solches strukturelles Signal.

Die Richtung ist klar: Solaris steuert auf 2.000 Einheiten pro Jahr zu, mit einem dominanten Anteil emissionsfreier Fahrzeuge. Jede ausgelieferte Einheit tritt in einen Lebenszyklus ein, der im Schnitt eine Aussonderung auf dem Sekundärmarkt erzeugt. Mit Auslieferungen von bereits 1.631 Einheiten im Jahr 2025 und nun operativer Zusatzkapazität wird der Fluss in den Gebrauchtmarkt zunehmen, sowohl im Volumen als auch in der technischen Qualität der verfügbaren Fahrzeuge.

Für Händler stellt sich nicht die Frage, ob dieses Angebot wächst, sondern wann und in welcher Form es den Markt erreicht. Sich heute zu positionieren, mit Expertise zu Solaris-Modellen, Kenntnissen der polnischen technischen Dokumentation und Beziehungen zu Betreibern, die Aussonderungen managen, ist die Aufgabe der Stunde.

Quelle: Sustainable Bus, Juni 2026